Aupairerlebnisse von Theresa Garske




Von Birkenwerder nach Hampton

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 22.10.2004

Die Nervosität ist ihr anzumerken: Am kommenden Montag wird Theresa Garske aus Birkenwerder ins Flugzeug steigen, um in die USA zu fliegen.
Die 19-Jährige hat keinen Urlaub vor sich, sondern einen ein-jährigen Aufenthalt als AuPair. Zwar hat sich die junge Frau lange Zeit auf diesen Schritt vorbereitet. Doch in dem Moment, als sie ihrer künftigen Gastfamilie die definitive Zusage gab, musste sie schlucken. "Als ich vergangene Woche die Flugtickets bekam, war noch einmal so ein Moment", erzählt Theresa Garske.

Eigentlich hatte sie überlegt, die elfte Klasse im Ausland zu verbringen. Doch zum einen sei das sehr teuer und zum anderen sei sie damals noch nicht dazu bereit gewesen, räumt Theresa Garske ein. Nun nach dem Abitur sieht sie das anders. "Viele meiner Mitschüler sind ohnehin weggegangen, eine gute Freundin ist jetzt in Mannheim. Da gab es sowieso einen Bruch", überlegt sie. Eine kleine Überwindung sei er Schritt gewesen, das Au-Pair- Jahr in den USA zu machen. Schließlich habe sie sich aber gesagt, "Wenn ich es jetzt nicht mache, ärgere ich mich vielleicht ewig über eine verpasste Chance."

Einige Voraussetzungen musste die Bewerberin aus Birkenwerder erfüllen, bevor sie als Au-Pair-Anwärterin bei der Organisation AYUSA angenommen wurde. So war neben, der Schulausbildung auch der Nachweis über 200 geleistete Stunden als Babysitter gefordert. Für Theresa Garske wäre das eigentlich ein Leichtes gewesen, hat sie doch zwei wesentlich jüngere Geschwister (ein Jahr und drei Jahre) und hilft außerdem regelmäßig bei zwei Familien als Babysitterin. Doch die Betreuungsstunden in der eigenen Familie wurden nur mit der Höchstzahl von 50 Stunden anerkannt. Die restliche Zeit deckte sie mit zwei Praktika bei der Kita am Burgstellenweg in Birkenwerder ab. "Das war ganz toll dort. Die Erzieherinnen sind alle sehr nett", so Theresa Garske.

Nachdem sie alle Formalien wie Visum, Gesundheitstests und Führungszeugnis erfüllt hat, kann es für sie nun losgehen.
Wie die erste Zeit in den Staaten aussehen wird, weiß sie schon. "Zuerst mache ich eine SchuIung in New York City mit allen Au Pairs der Organisation und am 28. Oktober werde ich von meiner Gastfamilie abgeholt", erzählt sie. Anderthalb Autostunden von New York entfernt wird sie bei der Familie in Hampton, New Jersey, wohnen. "Ich habe schon Fotos vom Haus gesehen. Es liegt direkt am Waldrand. Das ist ein bisschen so wie bei uns zur Hause in Birkenwerder, lächelt die 19-Jährige. Froh ist sie, dass sie bei ihrer Gastfamilie ein Auto haben wird, da die Wege in die nächsten Orte weit sind.
Ein volles Tagesprogramm erwartet die junge Frau aus Birkenwerder in Hampton. Sie muss das Frühstück für die beiden vier und zehn Jahre alten Jungen machen, sie zur Schule fahren und wieder abholen, mit dem Jüngeren spielen die Hausaufgaben betreuen und zwischendurch noch Arbeiten im Haus erledigen. "Um sieben Uhr geht es los, und abends ab sechs Uhr habe ich Freizeit'', erzählt Theresa Garske etwas sorgenvoll. Sie überlegt schon jetzt, wie sie es schaffen wird, Kontakt zu Familie und Freunden zu halten.
"Hier zu Hause bin ich jeden Tag im Internet und schicke E-Mails. Das ist aber bei meiner Gastfamilie nicht möglich, Ich hoffe, dass ich in der Bibliothek kostenlos das Internet nutzen kann."

Die 19-Jährige will mit dem Auslandsjahr vor allen Dingen gen Englisch lernen. "Ich kann zwar sprechen, war aber in der Schule in Englischunterricht nicht so die Leuchte", räumt sie ein. Nun hofft sie, dass ihr in ihrem Au-Pair-Jahr genügend Gelegenheit bleibt, außerhalb des Jobs mit Amerikanern zu sprechen und die Sprache zu üben. Fest steht schon, dass sie sich mit einem anderen Au-Pair-Mädchen aus Deutschland regelmäßig treffen wird: Ein Spielkamerad des jüngsten Sohnes ihre Gastfamilie wird ebenfalls von einem Au Pair betreut.

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Der Abschied fiel unbeschreiblich schwer

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 12.11.2004

Vor nun schon zwei Wochen hat es mich also in die Vereinigten Staaten von Amerika verschlagen, und nicht nur für mich persönlich ist seitdem eine Menge passiert!

Der Abschied von zu Hause fiel und fällt mir natürlich unbeschreiblich schwer. Es wäre wahrscheinlich schlimm, wenn es nicht so wäre. Wem nicht bewusst ist, wie sehr man an seinem zu Hause (und jedem der dazu gehört) hängt, der sollte sich mal eine längere Zeit von allem trennen. Mir war noch nie so bewusst, wie sehr mir selbst die kleinsten Details und die Personen, die ich gar nicht so gut kenne, fehlen können.

Die ersten drei, vier Tage des Aufenthalts muss jedes Au Pair eine Schulung besuchen, die von der jeweiligen Organisation meist in New York veranstaltet wird. Eine spannende Sache, denn Au Pairs kommen von allen Erdteilen dieser Welt, und so läuft die Verständigung natürlich auf Englisch. Für uns waren der Ort der Veranstaltung und die allabendlichen Besichtigungstouren wichtiger als der Unterricht.

Am Donnerstag war dann der große Tag für uns alle, und mich empfing in Hampton eine liebe Gastfamilie mit Brendan (zehn Jahre) und Gregory (vier Jahre), meiner Vorgänger-Au-Pair Silvia, den Eltern und zwei Hunden. Das erste Treffen war sehr herzlich. aber auch etwas seltsam. Wir kannten uns schließlich schon von Telefonaten, etlichen E-Mails, Fotos und der Bewerbung ein bisschen, hatten uns aber doch noch nie persönlich gegenüber gestanden. Ich hatte den Eindruck, jeder von uns atmete etwas auf, da die jeweilige Entscheidung füreinander nun für gut befunden wurde. Schon lag ich in einem Bett, das für ein Jahr nun meines sein würde!

Am Wochenende folgte gleich Halloween, und mir ist bewusst, dass zu Hause einige wenige genervt ihre Wohnungstür öffnen, um den Kindern ein wenig Süßes zu überlassen. Aber hier (wo das Fest schon seit langer Zeit viel verbreiteter ist, öffnete jeder seine Tür. Auch ich kam in den Genuss, von wildfremden Menschen Süßigkeiten und ein paar liebe Worte zu empfangen. In meinem amerikanischen Zuhause war inzwischen mein Gastvater Greg das größte Kind. Er lag in einem extra dafür vorbereiteten Laubhaufen vor der Tür mit einer Art Axt im Bauch und viel Kunstblut drum herum. Kamen nun ein paar Kinder auf unser Grundstück, erschreckte er diese natürlich mit Hilfe zweier Freunde und noch anderen Schikanen fürchterlich. Die meisten Kinder kannten ein ähnIiches Szenario allerdings noch vom vergangenen Jahr, und so berichtete Greg enttäuscht, dass die meisten vor unserem Grundstück kehrt machten.

Zur Wahl des Präsidenten nur soviel: Meine Gastfamilie ist ebenfalls so enttäuscht über das Ergebnis wie wahrscheinlich fast jeder Deutsche. Aber ich denke, ich werde auch so mein Jahr gut überstehen.

Nun kehrt also Alltag in mein Au Pair-Leben ein. Fast bin ich täglich eine Art Mutti für zwei Jungs. Abends bin ich aber doch froh, dass es im wirklichen Leben noch nicht so weit ist!

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Thanksgiving

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger

Am 25. November 2004 hat also ganz Amerika das große Familienfest Thanksgiving gefeiert und ich war dabei! (Eigentlich wollten sie nur mein 1. Jubiläum von einem Monat feiern, aber das war keinem so ganz bewusst...)
Um diese Sache erstmal ein bißchen nachzuvollziehen, hier die Erklärung meines Gastvaters Greg:
1. (Offiziell): Vor vielen Jahren sind die Europäer gen Westen gesegelt und sind dabei auf ein bisher unbekanntes Land gestoßen. Wie in jedem Land gab es kulturelle Unterschiede, die sich zu Anfang besonders am Essen bemerkbar machten. So bereiteten sie ein großes Fest mit dem traditionellen Essen der Indianer und feierten ihr fröhliches Beisammensein.
2. (Greg's Version): Als die Europäer angekommen waren, lieferten sie sich blutige Kämpfe mit den Einheimischen und feierten danach ihren Sieg bei einem Riesen-Schmaus.

Mein Gastvater ist also ein typisch patriotischer Amerikaner, der alles mit Humor nimmt und im Gegensatz zu vielen Amis trotzdem ein Allgemeinwissen hat, das über die amerikanischen Grenzen hinaus geht. Ich wurde natürlich schon so einige Male gefragt, aus welchem Teil Deutschlands ich denn kommen würde. Ich antworte immer schnell: "Sehr nahe zu Berlin!", und hoffe so der Feststellung aus dem Weg zu gehen, ob mein Gegenüber denn tatsächlich denkt, die Maür stünde noch. Erlebnisse wie diese wundern mich schon sehr und ich bin froh in einer Familie gelandet zu sein, die sich doch etwas mehr mit ausländischen Nachrichten auseinandersetzt, was hier zugegebenermaßen alles andere als einfach ist. Allgemein bekannt (und auch aus der Übersetzung abzuleiten) ist natürlich, dass Thanksgiving die amerikanische Antwort auf unser zumeist kirliches Fest Erntedank ist. So war also der Donnerstag allgemeiner Feiertag, wo auch hier mal alle (!) Geschäfte geschlossen waren. Meine beiden gestressten Anwalts-Gasteltern waren also so auch endlich mal einen ganzen Tag zu Hause. In der letzten Zeit waren alle doch sehr gestresst und das fröhlich lustige Familienleben, das ich von zu Hause so sehr gut kenne und schätze, war daher öfter auf der Strecke geblieben.

Den ganzen Tag wurde gekocht, gebacken und gebraten, wir unterhielten uns viel über amerikanische und europäische Begebenheiten und scherzten und lachten unentwegt.
Eine Stunde vor dem Festmahl sollte dann der Truthahn nach fünf Stunden aus dem Ofen und die ganzen Sachen zum überbacken plus Kekse rein. Der Bratensaft auf dem Ofenboden fing dann doch sehr zu rauchen an, so dass Greg alle Fenster und Türen sperrangelweit aufriss, aus Angst, die Rauchmelder würden Alarm schlagen. Als alles sehr diesig geworden war, öffnete er dann doch ganz vorsichtig den Ofen und eine nicht zu kleine Stichflamme stieß ihm entgegen: Das Backpapier der Kekse hatte durch die nun erfolgte Saürstoffzufuhr Feür gefangen. Dieses Vorkommnis wurde natürlich sofort mit den gut überlegt im Haus angebrachten Feuerlöschern beseitigt. Der Actionpart zu diesem Tag war also abgeleistet und wir mussten ihn eigentlich nur mit verbrannten Keksen bezahlen.
Um 16 Uhr folgte dann das große Mahl, das meine Gasteltern dieses Jahr ganz bewusst nur im engsten Kreis der Familie feiern wollten (Der Tag vor Thanksgiving ist der größte Reisetag im Jahr der Amerikaner). Es gab natürlich den ca. acht Kilo schweren Truthahn, Kartoffelbrei, Kartoffelbrei von süßen Kartoffeln mit Marshmellows überbacken (schmeckt besser als es sich anhört), Preiselbeer-Soße, Bratensoße, grüne Bohnen, Zwiebeln in Bechamel-Soße und Preiselbeer-Brot. Den Abschluss bildete nach einer Stunde gemeinsamen Kücheaufräumens ein Nuss-Pie und der wohl traditionelle Kürbis-Pie. Nach dieser "Kur" musste selbst die sonst so gut erzogene Theresa ein Stück Pie übrig lassen, weil nur der Gedanke an weiteres Essen mir unschöne Gefühle bereitete.

Alles in allem also ein sehr gelungenes Fest und ich musste viel darüber nachdenken, dass im guten alten Deutschland gerade eine ganz normale Donnertag-Nacht vonstatten ging. Einen Tag danach waren plötzlich wie aus dem Erdboden gewachsen überall die ersten Weihnachtsdekorationen zu finden und weisen mich nun auf ein ganz anderes Fest hin, das wohl auf Grund der bekannten Traditionen von Zuhause, für mich ein noch größeres Abenteür wird...
In diesem Sinne an alle liebe Grüße aus Hampton, NJ, USA!

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Weihnachten & Silvester

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger

Heute ist der 3. Januar 2005 und erstmal wünsche ich allen Bekannten, Verwandten, Freunden und Lesern ein fröhliches und glückliches neues Jahr!

Mit besonderen Grüßen an meine beiden Babysitting-Mädchen Franka und Gesa hier der Bericht über meine diesjährigen Feiertage:
Vorweggenommen geht es mir zu meiner eigenen großen Verwunderung sehr gut und die viel gefürchteten Heimweh-Anfälle sind im Prinzip völlig ausgeblieben...
Ich hatte ja großes Bedenken, ob unser Heligabend für mich hier einen ganz normalen Arbeitstag bringen würde, aber es kam zu meiner großen Verwunderung anders: Ich musste zwar "arbeiten", aber alle blieben zu Hause und ich fuhr erstmal mit Gregory zu meinen schon sehr liebgewonnen Gast-Großeltern. Dort empfing uns ein leckerer Lunch und natürlich Geschenke! Wirklich völlig unerwartet bekam ich einen atemberaubenden Bildband über die Vereinigten Staaten mit tollen Fotografien und ja, es war mir unbeschreiblich peinlich, dass ich nichts für die beiden eingeplant hatte...

Wieder zu Hause startete ich den ersten Anruf gen Osten, denn zuhause wurde ja gerade gemütliche Bescherung gefeiert. Während also vor dem Fenster gerade der Weihnachtsbaum hineingetragen wurde (und alle mich mit ihren Faxen furchtbar zum Lachen brachten) erfreute ich mich mit meinem zuhause das erste Mal weihnachtlich. Während dort also der besonders für die Kinder wichtige Part schon fast vorrüber war, wurde hier gerade mit der dirketen Vorbereitung begonnen. Das machte mal wieder den Zeitunterschied von sechs Stunden und natürlich den Unterschied in der Weihnachtsfeierei sehr deutlich.

Nachdem die Kinder die Kekse für Santa und die Mohrrübe für Rudolph (das Rentier) bereit gelegt hatten, verschwanden sie schnell ins Bett um diese nicht von ihrer Ankunft abzuhalten...
Dann begann das große Geschenke einpacken und aufbaün, die bereitgestellten Köstlichkeiten wurden verschmaust und wiederum drapiert, als hätte man sie in großer Eile genossen!

Am Weihnachtsmorgen weckte mich unserer Ältester um 7.15 Uhr (!), jeder schnappte sich etwas warmes zu trinken und los ging es zum Auspacken. Der Berg an Geschenken, besonders für die Kinder übersteigt hier in manchen Familien wirklich jede Vorstellung und ist nach meiner Meinung oft etwas übertrieben. Bei uns hielt sich das zum Glück in Grenzen, aber war doch mehr als genug... Ich durfte einen kuschelig, warmen Pullover, alte amerikanische Kochbücher (kein Wink mit dem Zaunpfahl, sondern meine heimliche Leidenschaft) und ein Paar Ohrringe auspacken und von den Kindern ein selbstgebasteltes Armkettchen, ein Cowboy-Kochbuch und ein kleines Schwein, weil das ja in Deutschland Glück bedeutet... Und von zu Hause durfte ich dann endlich die kleine Box öffnen und ich fand wiederum glitzernde Ohrringe!

Dann gab es echtes amerikanisches Frühstück (Rührei, Bouletten und Pfannkuchen), woraufhin sich jeder ersteinmal mit sich selbst beschäftigte, zu allem anderen waren wir zu geschafft.
Dieses Völlegefühl legte sich auch leider nicht und in Gedanken an das Dinner nahm mich Greg auf seine Fahrradtour mit. Ja, ich weiß jetzt warum er nicht so dick ist wie viele Amerikaner... In 58 Minuten raste ich ihm 10 Meilen (ca. 16 km) auf Brendans Fahrrad hinterher, die vielen Hügel in dieser Gegend rauf und runter. Sagen wir, es war eine Grenzerfahrung und ich hatte dann doch Hunger auf das 100 $ (!) teure Stück Rindfleisch!
Als auch das genossen und wieder bereinigt worden war, war für die Kiddings Weihnachten auch schon wieder zu Ende.
Wir drei starteten allerdings die Aufnahmen für das Weihnachtsvideo und ich konnte mich vor Lachen nicht mehr halten, als Greg Vanessa das 15. Mal erklärte, wie sie den neün Rettungshubschrauber von Gregory durchs Wohnzimmer fliegen soll...

Es war wirklich ein gelungener und unbeschreiblich lustiger Ausklang von einem wunderbaren Tag! Ich bemerkte, dass ich mich nun wirklich eingelebt hatte und nun wirklich eine amerikanische Familie hab'. Dieses Gefühl sagte mir, ich kann dieses ganz besondere Weihnachten dieses Jahr genießen, denn nächs tes Jahr habe ich alles wieder so wie ich es gewohnt bin. Ja, so langsam sagt mir etwas, dass auch der Abschied hier nicht einfach werden wird (für mich persönlich der schrecklichste Aspekt eines Austauschjahres).

Der 26. war dann aber schon wieder ein Tag wie jeder andere, alles war geöffnet und wäre nicht Sonntag gewesen, hatte wohl auch jeder wieder gearbeitet, von vorgeschriebenen Ladensöffnugszeiten hat man hier noch nie gehört!

Silvester feierte ich dann bei einer dänischen Familie, die für ihr Au-Pair und deren Freunde ein Party arrangiert hatte.
Ich darf ja hier mit meinen 19 Jahren keine Disco besuchen und keinen Tropfen Alkohol anrühren (sonst würde ich dirket im Flieger nach Hause sitzen!). Das ist sehr seltsam und lässt mich im Gegensatz zu meinen heimischen Gewohnheiten öfter wie ein Kind fühlen! Wenn ich allerdings kein Auto mehr fahren muss, darf ich auch zu Hause mal einen Cocktail trinken. Und auch für diesen Tag gaben mir meine Gasteltern ihren Segen und so feierten wir den 31. sehr lustig bis in den frühen Morgen, eigentlich genauso wie man das in Deutschland tut. Nur das wir auf der Terasse nach 12 Uhr dann vergeblich auf ein nettes Feürwerk warteten: Private Feürwerke sind in New Jersey, wie auch in vielen weiteren Bundestaaten verboten...
Aber auch das war eine sehr nette Feierei und ich habe viele zumeist männliche Amis kennengelernt, mein Jahr kann jetzt also beginnen :)

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Schneesturm

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger

Da ich zuhause nach dem letzten Wochenende große Ängste und Sorgen beruhigen musste, hier jetzt von mir ein Überlebenszeichen aus den verschneiten Vereinigten Staaten.

Nein, ich bin nicht völlig eingeschneit, erfriere kläglich und Strom haben wir auch überall! Ich glaube etwas weiter nördlich um Boston herum ist es wirklich schlimm, aber wir haben hier "nur" ca. 30 cm Schnee, und es kommt immer noch mal etwas Nachschub.

Ein großer Schneesturm war also für Samstag, den 22. Januar angesagt. Daraufhin versuchte Theresa vergeblich am Freitag noch Benzin zu tanken: Alles leer gepumpt, da jeder Ami das schlimmste am nächsten Tag befürchtet hatte. Auch der Gang zum Supermarkt kostete mich die doppelte Zeit, denn anscheinend dachte wirklich jeder Bewohner meiner Gegend, er würde die nächsten an kein Gramm Nahrung außerhalb seines Hauses mehr herankommen. Ja, man kann es wirklich als Hamstereinkäufe beschreiben, die sogar bis in die Video-Ausleih-Läden reichte. Sie waren alle doch sehr aufgeregt, um nicht zu sagen verrückt. Um ca. 10 Uhr am Vormittag erreichte uns dann der "Schneesturm", ohne Wind wie ich mir das vorgestellt hatte, nur viele dicke große Schneepflocken.

Meine Freunde und ich wollten an diesem Tag den Geburtstag eines Freundes feiern und aus beschriebenem Anlass fand sich jeder schon um die Mittagszeit in seinem Haus ein. Um ca. 14 Uhr rief dann der Göverneur von New Jersey striktes Fahrverbot aus, mit Ausnahme von Schneepflügen und Rettungsfahrzeugen. Nun ja, die Straßen waren eben mit Schnee bedeckt und das schien wohl ein unüberwindbares und unbeschreiblich gefährliches Hindernis zu sein. Ich meine ohne die Benutzung seines Autos ist ein Ami wirklich völlig aufgeschmissen, wobei ich auch zugeben muss, dass die Entfernungen hier so weit sind, dass man ein Fahrrad wirklich niemandem zumuten möchte, der sein tägliches Leben zu absolvieren hat.

Auf jeden Fall war so also alles sehr gemütlich und es schneite noch kräftig bis Mitternacht vor sich hin. Nach einer 15 stündigen Geburtstagsfeier und einigen Stündchen Schlaf trieb es jeden in die eisige Kälte von ca. -10°C, erst nur zum Herumtollen und dann zum mühsamen Autoausbuddeln... Es war wirklich wie im Winterurlaub, der schöne frische Schnee, blauer Himmel und viel, viel Sonne.
Ich war sehr froh, dass diese ganze "Wetter-Katastrophe" am Wochenende passiert ist, denn sonst wäre sicherlich die Schule meiner Jungs ausgefallen... Und einen 10- und einen 4-Jährigen einen Tag (mindestens 12 Stunden) zu Hause zu beschäftigen ohne sich wegbewegen zu können, ist wirklich eine sehr ermüdende Tätigkeit!
So startete hier die Schule also am Montag wieder ganz normal, nur ca. 1 1/2 Stunden später.
Ja, nun haben wir schon Donnerstag und der Schnee liegt noch genauso da, wie er gekommen war. Durch den Wind der letzten Tage ist er etwas unregelmäßig verteilt und ich muss im Garten für Gregory immer einen Pfad trampeln, da mir der Schnee an manchen Stellen wirklich bis zur Hüfte reicht, was für ihn ein unüberwindbares Hindernis darstellt.
Ich liebe dieses Wetter, denn wie habe ich es gestern auf dem Schild eines Geschäftes gelesen: "Es muss den Winter geben, damit wir den Sommer wieder genießen können!"
Ich kann ihn auch so genießen, besonders wenn wir am 15. Februar mit der ganzen Familie zu einer Woche Winterurlaub nach Vermont aufbrechen. In diesem Sinne winterliche Grüße und bis bald!

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Winterurlaub Vermont

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger

Was ich so lange sehnsüchtig erwartet hatte, sollte nun am Montag vergangener Woche endlich passieren: Auf ging es mit der ganzen Familie und unendlich viel Ski-Gepäck in den Winterurlaub!

Nach knapp acht Stunden kräftezehrender Fahrt durch die Bundesstaaten New Jersey, New York und Vermont erreichten wir unser Appartment in dem kleinen Ski-Dorf Smoggler's Notch im Norden von Vermont.
Verglichen zu unserem Haus war diese Unterkunft wirklich winzig und ich blickte 4 Nächten mit meinen beiden Schützlingen (4 und 10 Jahre) in einem Zimmer entgegen.
Aber wer meckert schon bei einem Urlaub dieser Art: Nicht unbedingt üblich für ein Aupair fuhr ich also mit in den Familienurlaub, durfte 3 Tage lang Snowboarden und bekam sowohl Unterkunft, Verpflegung als auch das Ausleihen der Ausrüstung bezahlt. Und als würde das meine Dankbarkeit gemischt mit schlechtem Gewissen nicht schon ausreichend in unbeschreibliche Höhen treiben, sollte ich für diese Woche auch meinen üblichen Lohn bekommen. Meine Arbeit beschränkte sich währenddessen nüchtern betrachtet auf Mithilfe wo immer nötig (Mahlzeiten zubereiten, Aufräumen, Anziehen...), Babysitten am Abend, wenn meine Gasteltern ausgegangen sind und ansonsten bin ich eben mit meinem Ältesten den ganzen Tag unterwegs gewesen, habe ihn zu seiner Skischule gebracht u.ä. ...

Ich snowboarde ja nun seit 2 Jahren und nachdem so einige Freunde mich aufgegeben hatten, habe ich es mehr oder weniger doch irgendwie hinbekommen, den Berg nun heil herunterzukommen, mal mehr mal weniger schmerzhaft. Als ich Greg also davon berichtete, steckte er mich gleich am ersten Tag ebenfalls in eine Unterrichtsstunde... Ehrlich gesagt habe ich nicht wirklich viel gelernt, aber mein hostdad war beruhigt :)

Die nette Art der Amerikaner, sich zur Begrüßung ein "Hey, wie geht's dir?! " anstelle eines lahmen "Guten Tag" (wenn überhaupt) zuzuflöten, nimmt man sich hier natürlich sehr schnell an. Auch wenn niemand etwas anderes erwartet als "Oh, sehr gut, Danke der Nachfrage", hilft es einem doch schneller ins Gespräch zu kommen.
So lernte ich einen netten Vermonter kennen, der zwar schon 10 Jahre Snowboard-Erfahrung hatte, aber warum auch immer troztdem die drei Tage lang immer geduldig wartete, wenn Theresa das ein oder andere mal Probleme mit dem Berg, sich oder ihrem Snowboard hatte...

So vergingen diese drei Tage natürlich leider viel zu schnell, wir hatten super Wetter und einfach sehr viel Spaß. Die Abende alberte ich mit meiner Familie vor dem Kamin herum und tagsüber konnte ich dank Mike einmal vergessen, dass ich Aupair bin.

Auch wenn mir meine "Arbeit" zumeist immer Spaß macht, ist es mir doch mehr als wichtig geworden, am Wochenende mein amerikanisches Leben mit Freunden zu genießen. Ich habe meine Jungs sehr lieb gewonnen und sehe meine Woche hier auch selten als wirkliche Arbeit an, aber es braucht eben etwas Abwechslung und einfach die Gewissheit was für sich zu tun, um wieder genügend Energie für neue größere und kleinere Abenteür zu haben.
Die Tatsache, dass ich mich in meiner Familie nicht als "Angestellte", sondern als Familienmitglied fühle, macht natürlich alles sehr viel angenehmer. Ich bin aber der Überzeugung, dass jedes Aupair diese Tatsache nicht als von vorn herein selbstverständlich ansehen darf, sondern sich auch so verhalten sollte. Ein Familienmitglied lässt eben nicht bei dieser bestimmten Uhrzeit alles stehen und liegen, putzt auch mal etwas, was nicht zu seinem regulären Aufgabenbereich gehört und ändert jegliche Pläne, wenn Not am Mann ist. Es fällt nicht immer einfach, das gebe ich zu, aber wenn man dann mit eben diesen Dingen wie Urlaub und anderen Nettigkeiten belohnt wird, vergisst man das "Arbeitsstunden"-Zählen.
Man ist ein Team zur allgemeinen Bewältigung des Alltags des Unternehmens Familie und nicht Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ich denke, das ist es, was ein Aupair-Jahr ausmacht!

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Miami-Urlaub

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger

Vor nun schon 2 Wochen habe ich hier endlich meine erste kleine, wirkliche Auszeit genommen: Zusammen mit einem deutschen und zwei dänischen Mädels hatte ich einen Trip nach Miami, Florida gebucht. Am Freitag Morgen ging es um 4.30 Uhr zum Flughafen nach Philadelphia (es war preiswerter von dort zu fliegen als von NYC). Und schon um 13 Uhr desselben Tages lagen wir am Strand von Miami Beach und haben die Sonne, das klare, warme Atlantikwasser und die ca. 30 Grad Celsius im Schatten genossen. Unsere Familien, hatten uns dafür allen den Freitag frei gegeben, jeder mit anderen Auflagen. Als AuPair mit einem Jahr Aufenthalt hat man 10 Tage bezahlten Urlaub und einem Mädchen wurde z.B. davon ein Tag abgezogen. Ich hatte "Glück", denn ich hatte die eine Woche Frühlingsferien durchgearbeitet (jeden Tag von mindestens 7 bis 18 Uhr) und mir somit meine Stunden für diesen FREItag zusammengesammelt.

Unser Hotel war klein, aber sehr fein; zwei dieser nach amerikanischer Städtebauweise typischen "Blocks" vom Strand entfernt. Miami an sich ist genauso, wie man es sich vorstellt, die Leute sind wie in allen südlichen Ländern alle sehr "zurückgelehnt", die eher hektische Lebensweise, die man in NYC bemerkt, kennt hier keiner. Ich denke, das kommt von den hohen Temperaturen, denn dort waren nun im Frühling schon 30 Grad Celsius. In Miami Beach selbst trifft man natürlich zu 90% auf Touristen, aber so kommt dieses bestimmte South Beach Gefühl ganz besonders auf: Das Leben ist eine einzige große Party. Nach eher kleinen und unbelebten Bars in New Jersey kamen wir 4 Mädels nun in den Genuss von großen überfüllten Clubs in der ganzen Stadt, aneinander angereiht wie Perlen an einer Kette.

Eine meiner Freundin kannte über einen Freund wiederum einen Freund, der dort in einigen Clubs als DJ Musik auflegt und so überall bekannt ist. Dieser Typ hatte dann glücklicherweise nichts dagegen mit uns vier "foreign girls" eine Nacht zum Tag werden zu lassen. So sind wir mit noch einigen andern Jungs durch die Clubs gezogen, jedesmal vorbei an den langen Schlangen vor den Clubs, er hat schnell ein paar Worte mit dem Türsteher gewechselt und schon waren wir da, ohne die 25 bis 30 $ Eintritt zu bezahlen. Erstmal drin, ging es dann in die VIP-Bereiche und ähnliches (In einem dieser ist auch das Foto von uns vieren entstanden) und sobald es wieder langweilig wurde, ging es wieder raus und in den nächsten Club. So ging das die ganze Nacht bis wir ca. um 4 Uhr morgens zum Hotel gebracht wurden. Oh ja, Kontakte muss man haben. Das war wirklich eine erlebnisreiche Nacht, die wir so schnell nicht vergessen werden. Am nächsten Morgen sprangen wir mehr oder weniger ausgeschlafen um 9 Uhr wieder aus dem Bett, denn man will ja nicht das kostbare Geld ausgeben, um dann in South Beach im Bett zu liegen. Ab ging es zum F rühstück und sofort wieder zum Strand, ich verrate ja auch keinem, dass jeder da noch einige sehlige Minütchen weitergeschlafen hat...

Ganz vergessen hab ich noch, dass ich am Freitag Nachmittag am Strand liegend mit Vanessa (meine Gastmutti) telefoniert hatte und sie meinte: "Theresa, Kind, creme dich gut ein, die Sonne ist dort unten sehr agressiv!" Ja, und wie man es sicher schon ahnt, ich mit meinem jugendlichen Leichtsinn sprühte mich frohen Mutes mit Lichtschutzfaktor 10 ein, da ich sonst eigentlich nicht so große Probleme mit sonnenempfindlicher Haut habe. Am Abend im Hotelzimmer stellte ich, und jeder andere auch, fest, dass ich wie ein gekochter Krebs aussehe, und so verbrachte ich den Rest der Zeit am Strand mit einem Langarmshirt, einem Hut und einem Handtuch über den Beinen... So habe ich jetzt doch deutlich schmerzhaft feststellen müssen, dass die Sonne nicht nur in Florida sondern auch hier in Amerika insgesamt viel agressiver ist, warum genau, habe ich dagegen noch nicht so ganz genau erkundet. Die Amis hier erklären mir immer alle, wir sind hier (in New Jersey) näher am Äquator, aber meine erdkundlichen Kenntnisse sagen mir doch eigentlich, dass wir auf ungefähr demselben Breitengrad liegen...

Am Sonntagabend um 8 Uhr brachte uns der Flieger dann leider schon wieder zurück nach Hause. Da wir keinen Direktflug hatten, lag ich erst um 3 Uhr nachts in meinem Bett und alles erschien nur noch wie ein Traum...
Meine Familie hatte mir liebenswürdigerweise den Montagmorgen auch noch freigegeben, weil Vanessa nicht wollte, dass ich mit ca. 3 Stunden Schlaf Gregory zur Schule fahre. So brauchte ich erst um 10.30 Uhr aufstehen um meine montäglichen Pflichten als AuPair, wie Saugen und Wäsche waschen zu erledigen. Da hatte er mich wieder, der Alltag, aber ich hatte an diesem Montag, den 25. April genau ein halbes Jahr als AuPair absolviert. Da war dieser Kurz-Traum-Urlaub genau das, was ich gebraucht hatte.

Nun noch zum aktuellen Geschehen: Die Papstwahl.
Insgesamt muss ich sagen, dass die Amis, wenn sie denn katholisch sind, mir viel konservativer erscheinen als in Europa. Da es hier im Radio eh' keine regelmäßigen Nachrichten oder Ähnliches gibt, kann ich nicht sagen, dass all das hier große Wellen geschlagen hat. Auch wenn ich es natürlich nicht wirklich vergleichen kann, da ich selbst zu dieser Zeit gerade nicht in Deutschland war. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass hier keiner mal schnell nach Rom reisen kann. Will damit sagen, dass man, wenn man nicht in eine Kirche ging oder den ganzen Tag CNN geschaut hat, von dem ganzen Geschehen kaum etwas mitbekommen hat. Von mir wissen natürlich viele, dass ich katholisch bin, und wo der neue Papst nun auch deutsch ist, wurde ich natürlich oft nach meiner Meinung gefragt. Ich habe daraufhin immer nur geantwortet, dass mir die Nationalität dabei völlig egal ist und ich mir für die Situation der Kirche in dieser Welt heute, schon eher einen traditionellen aber moderneren Papst gewünscht hätte (Wenn man das so sagen kann). Aber es wird sich zeigen was nun kommt.

Abschließend also eine kleine Entwarnung, mir geht es nach meiner Osterkrise wieder besser. Keine Gastfamilie würde zu mir besser passen als diese, alles und jeden von zu Hause vermisse ich nun eh schon über 6 Monate, da werden die nächsten auch noch zu schaffen sein... und bald wird mich Deutschland ja auch wieder haben.
Und dann geht das Heimweh andersherum los...

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Mit Messern „gespielt”

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger

Mein heutiger Artikel dreht sich um eine Person, die in den vergangenen Wochen mein relativ eingespieltes Au Pair-Leben völlig durcheinander gebracht hat- Evan ist zurück!

Evan ist mit zwölf Jahren der älteste Sohn der Familie und ist bipolar. Das ist eine psychische Behinderung, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte und die ich in Deutschland unter normalen Umständen sicherlich als amerikanische Erfindung abgetan hätte. Betroffene unterliegen extremen Stimmungsschwankungen. Sie sind in einem Augenblick überglücklich, im nächsten sehr traurig und fühlen sich verlassen und einsam. So sind diese Menschen sehr emotional. Jede Empfindung hat doppelt so viele Auswirkungen wie bei normalen Mensehen und es kann unter anderem auch in unvorstellbarer Nervosität und dann auch hoher Aggressivität enden.

Das bedeutet, Evan ist ein völlig normaler Zwölfjähriger, der nicht wie ein geistig behinderten Junge agiert. Er kann aber ohne Behandlung und spezielle Fürsorge schnell als gefährlicher Verrückter abgetan werden. Ich denke, das macht es auch so schwierig. die Krankheit zu erkennen.

Vor einem Jahr wurde er hier zu Hause für sich selbst und alle anderen richtig gefährlich. Vanessa und Greg beschlossen, ihn in ein spezielles Internat in Virginia zu geben. Nachdem er in den Weihnachtsferien bei uns zu Hause Teller an die Wand geschmissen und mit Messem "gespielt" hatte, ist die Situation auch in der Schule eskaliert: Unser Evan wurde in Hand- und Fußschellen von der Polizei abgeführt, nachdem er auf Dächern herumgesprungen und auf den nicht völlig zugefrorenen See spazieren gegangen war.

Vanessa ist dann mit ihm nach Texas in ein spezielles Krankenhaus geflogen, wo man in vier Monaten (er war nicht einmal zu Hause) seine Medizin neu zusammengestellt hat und unter anderem herausgefunden hat, dass man seine Minuten höchster Aggressivität als Anfälle einstufen muss, die man zum Beispiel mit epileptischen Anfällen vergleichen kann.

Nun ist er also wieder zu Hause, was für mich so nie geplant war. Denn am Anfang hieß es, er würde nie in meinen Aufgabenbereich fallen. Aber natürlich ist einem die Familie in sechs Monaten sehr ans Herz gewachsen und man denkt überhaupt nicht daran, die Familie in Stich zu lassen.

Auch wenn ich sehr unsicher war, habe ich mich eher gefreut und man muss sagen. Evan hat sehr viel gelernt. Wenn man ihm nun in diesen bestimmten Momenten in die Augen guckt, sieht man, wie viel es einem Zwölfjährigen abverlangt, sich zurückzunehmen und tief durchzuatmen. Er weiß nun sehr gut, wann es Zeit für ihn ist, in sein Zimmer zu verschwinden und sich zu beruhigen, um Schlimmeres zu verhindern. Ich denke, man kann sich gut vorstellen, dass es nicht einfach für mich ist, den Alltag zu bestreiten, besonders, da Greg und Vanessa im Moment wieder sehr beschäftigt sind. Ich fahre drei Mal am Tag zu Evans Schule (15 Minuten), um ihn hinzubringen. ihm seine Mittagsmedizin zu geben und wieder abzuholen. An Tagen, an denen er so nervös ist, macht er mich ebenso wie seine Brüder Gregory und Brendan nervös. All diese Dinge sind nicht einfach, und auch wenn er nicht mehr außer Kontrolle gerät, bin ich einfach schon geistig viel mehr im Stress, da man ständig höchste Konzentration aufbringen muss.

Der zehnjährige Brendan streitet sich natürlich gern mit seinem Bruder, und es ist nicht leicht, das nicht ausufern zu lassen. Der vierjährige Gregory bekommt nun weniger Aufmerksamkeit, braucht aber auch seine Betreuung. So falle ich jeden Abend noch tiefer ins Bett als schon davor. Auch wenn es ebenfalls ein Vorurteil von uns über die Amerikaner ist: Ich gehe jetzt zum Familientherapeuten. Ich muss schon selbst lachen und weiß schon, wie ich aufgezogen werde, wenn ich wieder in heimischen Gefilden bin, aber dieser Mensch kann einem weiterhelfen.

Aber es gibt auch wunderschöne Tage, an denen ich eigentlich weniger zu tun habe als früher, da Evan im Gegensalz zu Brendan stundenlang mit Gregory Autos, Zügen oder Legos spielt. So bin ich dankbar, um so mehr sich die Routine wieder einspielt. Ich lerne nach wie vor täglich viel über alles und mich selbst und versuche, nicht daran zu denken, dass ich am 26. Mai schon 20 Jahre alt werde. Für Brendan war ich immer ein Teenager, und seit ein paar Wochen erklärt er mir, er kann schon Falten in meinem Gesicht erkennen. Wie schön ist doch das Au Pair-Leben.

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Alle Ersparnisse für einen Strandurlaub

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 29.07.2005

Mitte Juni haben die Sommerferien begonnen, für amerikanische Kinder drei Monate.

Seitdem bin ich täglich zehn Stunden mit meinen Jungs alleine und versuche, sie zu beschäftigen. Schon das allein sollte man sich nicht so einfach vorstellen. Außerdem habe ich mir damals einen dummen Fehler erlaubt: Ich ließ mein Auto vor einer Bar stehen, weil ich etwas trinken und bei meiner Freundin schlafen wollte. Meinen Gasteltern habe ich dann aber lieber gesagt, ich hätte das bei meiner Freundin stehen lassen, denn sie sollten nicht wissen, dass ich als "Minderjährige" (unter 21 Jahre) etwas trinke. Dumm nur, dass mein Gastvater genau an diesem Morgen dort vorbeifuhr und mein Auto sah. Daraufhin folgte als Strafe eine Woche keine Autonutzung. Dabei kam meine Schwester in dieser Zeit.

So konnte ich nichts vorbereiten und ihr in der Zeit ersten Tagen nichts zeigen. Strafe ist Strafe, aber seit dem Zeitpunkt - auch wenn ich mich mehrmals unter Tränen für mein dummes Verhalten entschuldigt hatte - sollte nichts mehr so sein wie vorher. Die Art und Weise des Umgangs war wohl noch nie sehr respektvoll, was ich auf den Stress meiner Gasteltern schob. lch wollte für sie da sein und nahm an, das würden sie auch für mich tun, wenn es nötig wäre. Bevor meine Schwester kam, hatte ich auf eine Kamera gespart, da ich unsere Erlebnisse festhalten wollte. Mit der Kamera für 450 Dollar war ich sehr zufrieden - eine Belohnung für die nicht immer einfache Arbeit.

Als ich mit meiner Schwester aus Washington zurückkam, wurden mir die Kamera und die Kreditkarte auf hinterhältigste Weise gestohlen. Völlig am Ende kam ich dann zu Hause an, und die erste Bemerkung meines Gastvaters war: "Oh, schon zurück aus dem Urlaub? Du hast sicher auch gemerkt, dass deine Einstellung in denn letzten drei Wochen den Bach runter gegangen ist. Also wollen wir dich hier nicht vor Freitag (es war Montag) sehen, damit du deine Batterien aufladen kannst. Und wenn du am nächsten Montag nicht mit einer anderen Einstellung zurück bist, kannst du gehen." Ich frage mich, wer sich mit diesen Gedanken im Hinterkopf erholen kann. Er bezog sich dabei zum Beispiel auf nicht aufgeräumte Kinderzimmer, weil Haushalt und Kinder den ganzen Tag nur sehr schwer zu bewältigen waren. Zu der Kamera sagte er: "Das passiert am Tag 500 Mal." Weder der Notruf, noch die Polizei in New York City oder Philadelphia hatten mir weitergeholfen. Dazu hieß es von meinen Gasteltern: "Die haben eben anderes zu tun, als sich mit gestohlenem Touristenkram zu beschäftigen. Das wird ja in Deutschland auch nicht anders sein."

Natürlich habe ich nicht gedacht, die würden mir alles zurückbringen, aber eine Anzeige gegen Unbekannt zu Versicherungszwecken hätte ich schon erwartet. Meine Gasteltern als Anwälte haben auch nicht an einen Anruf ihrerseits bei der Polizei gedacht.

Mein Gastvater gab mir schnell noch Geld, damit ich uns einen Urlaub finanzieren kann. Wir durften also nachts nicht nach Hause kommen, um wie geplant Tagesausflüge zu machen, sondern mussten ins Hotel. Mehr oder weniger rausgeschmissen, gab ich so meine letzten Ersparnisse für einen Strandurlaub aus, da meine Schwester das Hotel natürlich nicht in ihr Reisebudget eingeplant hatte.

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Nicht unterkriegen lassen

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 02.08.2005

Eigentlich bekomme ich Extrastunden mit fünf Dollar die Stunde bezahlt.
Greg, mein Gastvater, war damit zwar noch nie sehr großzügig, aber immerhin gab es ein bisschen mehr Geld. Nun hat er mir erklärt, dass er mir zum Beispiel eine halbe Stunde Frühstückspause abzieht, wenn ich allein am Tisch sitze und die Kinder beschäftigt sind. Dass diese Pause aus zehn Minuten aufspringen und wieder schnell etwas von meiner Stulle abbeißen besteht, weiß ja keiner.
Dann müssen meine Kinder oft zum Psychologen, und ich gehe mit ihnen dahin, weil die Eltern ja arbeiten. Da diese Behandlung mir aber eigentlich zu Gute kommt, so argumentieren sie, gilt das nicht als Arbeitszeit.

Meine Arbeitszeit endet, sobald einer von den beiden abends zur Tür hereinkommt, auch wenn ich am Herd stehe und gefragt werden, was es zu essen gibt. Im Anschluss gehen sie duschen, und ich bin "enlassen", wenn das Essen auf dem Tisch steht. Sollte ich noch mitessen, bin ich diejenige, die die Küche wieder aufräumt. Dann kann ich meine Zeit ab 20.30 Uhr nutzen, wobei ich um 23 Uhr wieder zu Hause sein muss.

Durch diese Art der Berechnung bekomme ich am Ende der Woche trotzdem nur meine 140 Dollar, nach meinen Notizen sollten es jeden Tag etwa drei Stunden mehr sein. Zusätzlich teilt Greg jetzt das Benzingeld meines Autos, das ich sowohl mit den Kindern als auch für mich privat benutze durch zwei. Da ich mit den Kindern aber viel mehr fahre, als für mein eigenes Vergnügen, ist auch das sehr unfair und lässt mich jetzt im Prinzip das Benzin für seine Kinder bezahlen. Des weiteren bezahlt er mich nie wie vorgeschrieben einmal in der Woche. Meistens ist mein Konto nach drei Wochen leergeräumt, da sich seine Schulden dann auf Grund der Auslagen für Benzingeld auf etwa 800 Dollar belaufen. Wenn ich ihn dann frage, reagiert er genervt und äußert sich sehr unfreundlich.

Die für mich persönlich größte Belastung sind die beiden großen Jungen, egal, ob wir zu Hause oder am öffentlichen Pool sind, sie werden beim Spielen zu wild und kämpfen dann richtig miteinnander. Mir ist bewusst, dass das bei Brüdern durchaus normal ist, aber wenn jemand den verbissenen Ausdruck in ihren Augen sehen könnte und wie sie sich mit Dingen bewerfen und mit der Faust ins Gesicht schlagen, ist das vielleicht nicht mehr üblich. Der eine ist schwerer, der andere leichter bipolar. Das ist eine psychische Behinderung mit größten Stimmungsschwankungen. Diese Vorkommnisse üben einen unheimlichen Druck auf mich aus. Denn ich kann die Jungen nur schwer oder gar nicht auseinander bekommen, und sie stehen in diesem Moment nun einmal in meiner Verantwortung.

Schlussendlich verletzt es mich natürlich unheimlich, dass ich jetzt schon neun Monate alles für diese Familie mache - wenn Greg mich um 6.30Uhr weckt, weil ich Milch kaufen gehen soll, antworte ich "natürlich" - und ihrerseits vielleicht ein kühles "Danke", aber keine aufrichtige Zuneigung oder Würdigung bekomme. Ich meine, dass man alles mögliche füreinander tut - im Austausch. Aber hier muss ich nun lernen, und begreifen, dass das wohl eher eine utopische Vorstellung ist. Meine Betreuerin vor Ort von meiner Organisation weiß das nun alles und versucht seit Tagen mit meinen Gasteltern in Kontakt zu kommen. Aber ihre Nachrichten werden nie beantwortet. Trotzdem möchte sie sich endlich mit uns zusammensetzen und reden. Ich zweifle daran, dass wir dann plötzlich die ideale Beziehung haben, von der ich geträumt habe.

Es steht in den Sternen, ob ich noch in eine andere Familie oder vielleicht sogar vorzeitig nach Hause komme. Indieser Lage genieße ich die vollste Unterstützung von meiner Familie in Deutschland und Freunden hier und dort. Ohne das wäre ich ganz sicher nicht mehr hier. So steigert sich das Heimweh natürlich ungemein.

Auch wenn ich offen zugebe, dass ich mental am Ende meiner Kräfte bin, möchte ich meine Entscheidung, nach Amerika gegangen zu sein, nicht bereuen und mich einfach nicht unterkriegen lassen. Bald nehme ich auch meine zweite Woche Urlaub und mache eine Art "Studiertrip" nach Kalifornien, für den ich dann die amerikanischen "Credits" bekomme. Damit erfülle ich die Anforderungen eines Au Pairs (für sechs "Credits'' bekomme ich eine bestimmte Anzahl von Lehrstunden an einer Uni meiner Wahl).

Jetzt versuche ich, auf den FIug, einen Wanderrucksack und eine neue Kamera zu sparen, denn ich will die Reise im Bilde festhalten. Wenn bis dahin alles gut geht, werde ich unter anderem den Grand Canyon, San Francisco und Los Angeles bewundern können.

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"Nun war ich endlich da raus"

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 06.09.2005

Für eine sehr lange Zeit nach dem letzten Artikel wusste ich selber nicht, was nun passieren würde. Ich glaube, ich war in meinem Leben noch nie so unentschlossen. Da gab es Tage, an denen ich das Gefühl hatte, ich bewältige die ganze Situation mit meinen Gasteltern und Kindern überhaupt nicht mehr und am nächsten Tag habe ich mich wieder gefragt, ob ich nicht bei allem nur ein bißchen wehleidig bin. Jeder, dem ich meine Geschichte erzählt habe, schüttelte zwar den Kopf, trotzdem bleibt wohl immer ein Restzweifel, man macht sich selbst Vorwürfe und grübelt, was man falsch gemacht hat. So hätte ich schon beinahe einen nächsten Artikel geschrieben, dass sich alles im Sand verlaufen habe.

Dann folgte mal wieder ein sehr deprimierender Tag, ein sehr lieber Gastvater hatte mir dann geraten, es wäre manchmal mehr Aufgeben, wenn man sich schlecht behandeln lässt, ohne was dagegen zu sagen, als den Mund aufzumachen und zu sagen: "Mit mir nicht!" Wie der Zufall es so wollte, hat mir mein Papa an diesem Abend auch geschrieben: "Theresa, es reicht, du solltest wieder nach Hause kommen." Auch wenn das für mich nicht in Frage kam, tat es doch sehr gut zu wissen, dass ich im schlimmsten Fall auch zu Hause willkommen bin.

So rief ich meine Betreuerin von meiner Organisation hier an und sie meinte sofort: "Theresa, ich suche dir eine neü Familie!"
Ja, nun blieb nur noch der schwere Teil des Ganzen: Ich musste meinen Gasteltern mitteilen, dass ich gehe...
Es war Dienstag, der 16. August, und ich denke, der schwerste Tag in meinem bisherigen "amerikanischen Leben": Nachdem ich gekocht und wieder abgeräumt hatte, waren die Kinder endlich im Bett und ich bat meine Gasteltern, sich mit mir hinzusetzen, da ich gerne über etwas reden würde. Nur mein Gastvater setzte sich dann mit mir hin, ich holte tief Luft, und sagte simpel, dass ich mir lange darüber Gedanken gemacht hatte, aber mir nun klar ist, dass ich mein Jahr als AuPair nicht in ihrer Familie beenden könne. Greg hat mich - glaub ich - nicht im geringsten ernst genommen und meinte, ich hätte einen Vertrag unterschrieben und da kann ich nun nicht so einfach gehen, nur weil ich keine Lust mehr habe... Gegen den Rat meiner Betreuerin musste ich also mit ihnen versuchen, die Gründe sachlich durchzugehen. Nun war Vanessa auch da und schon als ich ansprach, dass ich damals, als der Älteste (geistig behindert) nach sechs Monaten nach Hause kam, gerne gefragt werden wollte, ob seine Betreuung für mich ok wäre (vor meiner Ankunft hieß es, er bräuchte spezielle Betreuung und wäre nicht zu Huase), rastete sie völlig aus. Sie bäumte sich vor mir auf, und brüllte mir Dinge wie ich wäre herzlos und unreif zu und rannte aus dem Haus.

Da saß ich dann allein ca. 20 Minuten, ohne zu wissen, was nun passieren sollte. Dann kamen sie beide wieder rein, betonten ein paar Mal, wie sehr ich meinen kleinen Gregory damit nun verletzen würde, aber dass sie mich wenigsten noch bis Freitag behalten wollen, um den Kindern Zeit zu geben sich von mir zu verabschieden. Ich musste die Auto- und Hausschlüssel abgeben und ging zu Bett.

Am nächsten Morgen waren die Kinder sehr distanziert, Greg war schon weg und Vanessa sagte nicht einmal Guten Morgen. Dann erläuterte sie mir kurz, die Kinder würden um 10 Uhr von der Oma abgeholt, ich solle die Wäsche waschen und im Haus bleiben, da ich ja eigentlich noch arbeiten würde, ich dürfte keinen Besuch haben und das Auto steht mir auch nicht mehr zu. Als die Kinder abgeholt waren, wollte ich alle meine Lieben anrufen und ihnen die langersehnten Neuigkeiten mitteilen, ich hob das Telefon ab und hörte... nichts. Das Telefon war tot und sämtliche Mobilteile nicht auffindbar.

Für die nächsten drei Tage fühlte ich mich nun wie ein Gefangener, ohne irgendeinen Kontakt zur Außenwelt und das, wo ich wusste, dass sich jeder Sorgen macht und meine Freundin dazu noch zurück nach Deutschland geflogen ist.

So arbeitete ich bis Freitag eigentlich wie üblich, verbrachte die Abende in meinem Zimmer und aß jeden Tag nichts außer Mittag, wenn überhaupt.

Am Freitag sollte ich dann um fünf Uhr Tschüß sagen und durfte meine Freundin anrufen, dass sie mich abholt. Da sie leider den Weg nicht kannte, kam sie eine halbe Stunde zu spät. Ich lief draußen hin und her und mein Kleiner kam angerannt, sah mir in die Augen und fragte: "Theresa, warum gehst du wirklich?". Ich sollte ihm erzählen, dass ich meine Familie zu sehr vermisse... In dieser Zeit war es meinem Gastvater zu viel geworden, er setzte sich ins Auto, liess mich meine Sachen einpacken und wollte mich zum Busbahnhof im Ort fahren. Gerade in dem Moment, als wir aus unserer Ausfahrt fuhren, kam meine Freundin, aber Greg raunte mir nur zu: "Durch dieses Drama gehe ich jetzt nicht, ich fahre dich zum Busbahnhof, deine Freundin kann uns ja folgen!". Natürlich tat sie das nicht, sie wusste ja nicht, was nun passierte.
Nachdem ich alle meine Sachen wieder aus dem Van gehieft hatte, streckten sich mir die Ärmchen meines 5-Jährigen entgegen und er drückte mich so sehr, dass mir selbst fast die Tränen liefen. Meine Gastmutter und meine beiden großen Jungs hatte ich zum Abschied nicht mehr gesehen und mein Gastvater stieg nicht mal aus dem Auto aus.

So stand ich mitten im Ort mit einem riesigen Koffer, 5 Tüten und einem Rucksack. Ich fragte einen Fremden, ob er ein Auge auf meine Sachen haben könnte und rannte zum Telefon um meine Freundin anrufen zu können. Für die letzten beiden Wochen hat sich mein Gastvater geweigert, mir meinen Lohn und die Auslagen für Lebensmittel und Benzin zu geben (350$). Da ich des Weiteren mein Auto nicht selbst ausräumen durfte, fehlt mir nun mein unabdingbarer internationaler Führerschein. Ohne den bin ich nicht mehr vermittelbar, weil ich nicht Auto fahren darf und meine Gastmutter meinte nur, der ware nicht da gewesen...

Aber alles egal, nun war ich endlich da raus.

Hier möchte ich nun noch schnell betonen, dass a) es hier tausende andere sehr liebe Familien mit AuPairs gibt und b) ich meine Entscheidung noch keine Sekunde bereut habe. Vielleicht die Entscheidung für diese Familie, aber nicht ein Jahr hier herzukommen, ich habe so viele sehr interessante und nette Menschen kennengelernt und kann manchmal besser Englisch als Deutsch sprechen.

Einen Tag später hieß es nun ab nach Kalifornien auf eine Studienreise, auch wenn mir dazu jeder Elan fehlte. Davon und ob ich bald wieder in Deutschland anzutreffen oder meine 2 Monate noch bei einer anderen Familie verbingen kann, bald mehr...

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In acht Tagen durch drei Staaten

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 21.09.2005

Nur einen Tag nachdem ich bei meiner Gastfamilie ausgezogen war, hieß es: mit neuem Rucksack ab nach Kalifornien.
Auch wenn das alles sehr aufregend klang, hatten mich die letzten Wochen sehr mitgenommen und ich hatte das Bedürfnis, erstmal wieder zur Ruhe zu kommen. Aber dafür blieb keine Zeit.

Als Au Pair muss man im Laufe der zwölf Monate sechs "Credits" sammeln, das ist eine Einheit des amerikanischen College-Systems. Dafür kann man in bestimmten Kursen ein Diplom bekommen. Ein Au Pair ist verpflichtet, sich an einem amerikanischen College oder an einer Universität weiterzubilden.
Da ich sehr gerne reise, habe ich mich ein bisschen aus der Affäre gezogen und eine andere Möglichkeit gewählt: Mit "Suntreck" ging es acht Tage quer durch Kalifornien, Nevada und Arizona, um die amerikanische Geschichte vor Ort zu studieren. Dazu musste ich vorher einen Multiple Choice-Test mit Fragen zur Gegend ablegen, während der Reise bei allen Führungen gut zuhören, jeden Tag zwei Seiten in ein Tagebuch schreiben und nach dem Trip noch einmal schriftlich viele Fragen beantworten. Verglichen mit dem Sitzen in einem Klassenraum sollte das aber jede Menge Spaß werden.

Auf dem Weg nach Los Angeles wurde mir nachts beim Umsteigen in Las Vegas mitgeteilt, dass der Flug gestrichen wurde. So schlief ich kurz in einem netten Hotel, um am Morgen den nächsten Flieger zu nehmen und sehr zu bangen, ob ich es noch zu meinem Treffpunkt für die Tour um 10 Uhr schaffen würde.
Sogar fünf Minuten zu früh fand ich Angehörige meiner Gruppe am Treffpunkt. Schon das war sehr faszinierend: 13 Leute zwischen 20 und 30 Jahren aus sieben Nationen (England, Israel, Deutschland, Schweden, Japan, Thailand, USA und Italien). Ich sah, dass es auch eine rein deutsche Gruppe gab, aber mir gefiel es so sehr gut. Jeder sprach Englisch, um niemanden auszuschließen. Wir schnallten alle Gepäckstücke auf das Dach des Vans (Kleinbus) und stellten fasziniert fest, dass alles und jeder auf oder in den Van passte.

Dann ging es quer durch Los Angeles, eine Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt, die abgesehen Beverly Hills nicht gerade sehr schön anzusehen ist. Aber interessant waren natürlich Venice Beach, Hollywood und eben die "Reichen-Viertel", wo es hieß: "Weißt du, wo Brad Pitt wohnt?". Viele Fotos später hieß es: "Auf in die Wüste", in den Joshua Tree National Park, eine Gegend mit sehr unwirklich aussehenden, rundlich gelben, aufgetürmten Steinen und eben den Joshua-Bäumen. Hier schlugen wir das Lager auf, aßen ein sehr nettes Abendbrot, während ein Koyote unser Essen hinter unserem Rücken stahl.

Am nächsten Morgen wollten wir eine kurze Wanderung machen. Schon bald kamen wir vom Pfad ab und machten die Bekanntschaft mit einer Klapperschlange und ihrem typischen Klappern, was ehrlich gesagt lieber im Film mag.
Nach diesem Erlebnis ging es in den Bundesstaat Arizona nach Lake Havasu, wo wir die "echte London-Bridge" bewundern konnten und dann an einem wunderschönen Campingplatz einkehren durften. Der Ausblick bestand aus dem Colorado River und diesem typisch geformten roten Felsen dahinter. Wir hatten viel Spaß, von den Klippen zu springen, und da es selbst in der Nacht noch 35 Grad waren, folgten noch einige Bäder.

Das genaue Gegenteil erwartete uns am nächsten Abend: Sehr aufgeregt war ich, als wir zum Grand Canyon fuhren, denn solche Plätze, die man schon so oft auf Bildern gesehen hat, sind einfach sehr aufregend, wenn man davor steht. Und da brauche ich natürlich nicht viel zu sagen, es war faszinierend, sagenhaft und einfachunbeschreiblich. Der Canyon ist 116 Kilometer tief und sehr groß, so dass selbst ich hunderte von Landschaftsbildern machte. Am Abend durften wir den Sonnenuntergang genießen und anschließend bei zwölf Grad am Lagerfeuer sitzen. Und dann hieß es wieder: Früh raus, denn wir wollten den Sonnenaufgang am Canyon bewundern. Um 5 Uhr in der Früh rollte ich samt Schlafsack aus dem Zelt in den Van und ließ mich zum Canyon fahren. Auch das war atemberaubend.

Die nächste Nacht war wieder ganz anders, denn nach stundenlanger Fahrt auf schnurgeraden Straßen, auf denen man links und rechts nichts als Berge, Sterne und Sand sieht, erhob sich vor uns die Wüstenstadt Las Vegas. Hier erwartete uns ein Hotel und als Überraschung eine riesige weiße Limousine. Mit dieser ging es über den berühmten Strip (Straße mit allen Großen Hotels, Casinos, Achterbahnen und anderen Attraktionen) zu einer Lichtershow, bei der wir 13 - zum größten Teil Mädchen - tanzend und sehr gut gelaunt Aufsehen erregten.
Danach ging es weiter in eine Bar. Las Vegas an sich konnten wir nicht erleben, da man erst ab 21 Jahren spielen darf, und auch niemand von uns heiraten wollte.

Am nächsten Tag ging es zum größten Teil schlafend wieder ab in die Wüste, diesmal durch Death Valley, den trockenste und heißeste Ort in Nordamerika. Wieder nur Sand, Steine und Berge, und 82 Meter unter dem Meeresspiegel waren es dann 48 Grad. Als wir über die Berge das Tal wieder verließen, mussten wir die an diesem Tag besonders heiß geliebte Klimaanlage ausschalten, um eine Überhitzung des Vans zu vermeiden.
Die nächste Nacht verbrachten wir in Bishop in Kalifornien, wo wir, wären wir nicht so spät gewesen, in heißen Quellen hätten baden können.

Nach dem Aufstehen um 6 Uhr ging es vorbei am Monolake in den Yosemite National Park, einer Gegend mit hohen Bergen, Wasserfällen, großen Bäumen und Bären. Den Tag hatten wir mit Wandern, Baden und Ausspannen im Park verbracht. Als wir dann am Abend im Dunkeln Fisch zum Abendbrot bereiteten, gesellte sich ein Schwarzbär mit einem Jungen zu uns. In Deutschland fand ich die ja auch immer süß, aber hier lernt man so einiges, unter anderem von unserem Reiseleiter einen Tag zuvor, dass ein Bar in der vorangegangenen Woche die Tür des Vans seines Freundes herausgenommen hatte. Daher scheuchte unser Reiseleiter Shane sie mit viel Lärm weg und riet uns, alles aus unseren Zelten zu räumen - Zahnpasta, Duschgel und Essbares. Jeder wollte natürlich im Van schlafen, da das sicherer schien als die dünne Zeltwand. Shane hielt er für gefährlicher. Auch in dieser Nacht konnte jeder irgendwann schlafen.

Am nächten Tag machten wir wieder eine Klippensprung-Pause, diesmal an einem Gebirgsbach mit einem zehn Meter hohen Felsen. Selbst da trauten sich noch einige, herunterzuspringen. Dann ging es quer durch die Obstplantagen Kaliforniens nach San Francisco. Erst fuhren wir über die sagenhafte Golden Gate Bridge, und dann machten wir eine Katamaran-Tour bei Sonnenuntergang, an Alcatraz vorbei und unter der Brücke hindurch. Genau wie der Grand Canyon auch ein Ort, an dem einem der Mund offen stehen bleibt, wenn man ihn mit eigenen Augen bewundern darf.

Auch San Francisco selbst, mit den Hügeln, den Straßenbahnen, den kleinen süßen Häuschen und den Seelöwen, ist malerisch und gefiel mir sehr viel besser als Los Angeles. Leider endete hier unsere Tour am folgenden Tag und ich hatte ein kleines Tief, als ich wieder allein ohne meine lieb gewonnenen Mitfahrer in meinem Hotelzimmerchen saß.

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Wie ein kleines Happy End

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 06.10.2005

Nachdem ich nun also auf für mich sehr schmerzvolle und unschöne Weise aus meiner alten Gastfamilie ausgezogen war, holte mich eine Freundin vom Busbahnhof ab, an dem mich mein Gastvater mit Sack und Pack hatte sitzen lassen.
Vielleicht kann man sich vorstellen, wie ich aufatmete und ein unbeschreiblicher, sich wochenlang aufgebauter Druck endlich begann, von mir ab zufallen. Die willkommene Atmosphäre in dem Haus einer befreundeten dänischen Familie (sie lebt seit acht Jahren in den USA und hat selbst ein Au Part) und die Gewissheit, dass ich nie wieder in mein "Zuhause" zurück müsste, waren doch sehr erleichternd.

Gleich am nächsten Morgen ging es ja zum Flughafen und nach Kalifornien, zu einem unbeschreiblich erlebnisreichen Trip. Als wir gerade in Las Vegas weilten, hatte ich die einmalige Chance, meine E-Mails zu prüfen und fand ganz unerwartet eine Nachricht von meiner Betreuerin in New Jersey, in der sie mir mitteilte, dass sie eine Gastfamilie für mich gefunden habe. Da ich ja zu dieser Zeit schon zehn Monate in den USA weilte, also in zwei Monaten wieder den Heimweg antreten wollte, kam das völlig unerwartet. Man kann sich kaum vorstellen, wer ein Au Pair für nur acht Wochen in seinen Alltag einarbeiten und vor allem seine Kinder an diesen Menschen gewöhnen möchte.

Aber auch wenn ich mich selbst und alle Lieben zu Hause mich wieder im Flieger nach Deutschland sitzen sahen, gab es eine Familie mit zwei Mädchen im Nachbarort meines alten "Zuhauses", die von meiner Beschreibung wohl ganz angetan war und mich gern treffen wollte. Ganz untypisch für das eigentliche Au-Pair-Vermittlungsverfahren verbrachte ich so also einen Nachmittag mit dieser Familie, als ich wieder zurück nach New Jersey kam.
Und nach beiderseitigem Einvernehmen lag ich eines Abends schon wieder in "meinem" neuen amerikanischen Bett, das nun zwar nur für zwei Monate, aber doch meins sein sollte. Zur Familie gehören nun also Bethany (sieben Jahre), Brook (zehn Jahre), Billie (16 Jahre), Brianne (17 Jahre), Hund Cleo und meine Gasteltern Stevie und Greg.
Und da nun auch hier nach dreimonatigen Sommerferien die Schule wieder angefangen hat, pflege ich eine ganz ungewöhlich ruhige Tagesroutine. Morgens mache ich meine Mädchen fertig und bringe sie zum Schulbus, der so gut wie am Ende unserer Ausfahrt hält. Von 8.30 bis 15 Uhr bin ich allein, kann meinen Tag frei gestalten, auch wenn ich natürlich das Haus an den Tagen unter der Woche sauber halte und die Wäsche mache. Am Nachmittag trudeln alle wieder ein. Meine Großen sind ja nun sehr pflegeleicht, gehen selber zur Schule und machen auch ganz eigenständig ihre Hausaufgaben. Nachdem das auch mit meinen "Kleinen" erledigt ist, spielen wir miteinander, und das sieht natürlich ganz "girlie-like" aus: Fingernägel lackieren, Hunderte von Zöpfen flechten und manchmal ein bisschen Fernsehen. Sehr viel Zeit verbringen wir im großen Pool in unserem Garten. Meistens bereite ich das Abendbrot zu, was ja hier in Amerika mehr mit unserem Mittagessen zu vergleichen ist. Trotzdem kommt meine Gastmutter meist schon um fünf Uhr nach Hause, und wir essen Dinner.

Ich bin sehr glücklich und ausgeglichen - jetzt endlich. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Gastfamilie, ganz so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Die Mädchen testen mich nie so merklich, ganz und gar nicht zu vergleichen mit meinen drei Jungs. Wir haben viel Spaß, und ich bin so froh hier zu sein. Es fühlt sich an wie ein kleines Happy End.

Trotzdem bleibt immer der Gedanke, wie sehr ich Gregory vermisse, meinen Kleinen aus meiner alten Gastfamilie. Ein Kind wächst einem sehr ans Herz, wenn man zehn Monate 50 Stunden und mehr pro Woche zusammen ist. Ich merke nun, wie viel die Kleinen auch für einen tun, einfach nur, indem sie so niedliche Bemerkungen machen und uns manchmal Löcher in den Bauch fragen. Aber ich weiß, dass ich von Gregory nur die Fotos behalten darf und ihn nie wieder sehen werde, denn das Verhältnis zwischen mir und seinen Eltern war "nicht ganz so gut".

Nun bleibt mir hier nur noch ein Monat, und ich versuche sehr, das Gleichgewicht zu finden zwischen dem Genießen der letzten Tage und der Freude auf Deutschland.

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Zwölf Monate sind eine lange Zeit

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 08.11.2005

Vor einer Minute sind die Anschnall-Zeichen ausgegangen.
Ich sitze in einer zweistöckigen Lufthansa-Maschine, tippe auf meinem neuen Laptop meinen vorletzten Artikel und bin unbeschreiblich nervös. Es fühlt sich an, als würde ich wieder irgendwo in den Urlaub fliegen, um aufregend Neues zu erkunden. Aber können einen diese großbauchigen, Menschen verschluckenden Vögel auch in die "alte Heimat" befördern?

Hier bin ich nun angelangt. Nach 377 Tagen befinde ich mich auf dem Weg nach Deutschland und obwohl ich seit zwölf Monaten darüber nachdenke, weiß ich selbst nicht, was passiert. Ich weiß nicht, ob man es nachvollziehen kann, und man mag es mir bitte auch nicht übel nehmen, aber es ist bedrohlich, all diese deutsch sprechenden Menschen um sich zu haben. Deutsch war im vergangenen Jahr meine persönliche Sprache, um mich entweder mit meinen zwei deutschen Freunden, wenn niemand es hören sollte, oder mit meiner Familie zu Hause zu verständigen. Gerade habe ich mit einem jungen Mann englisch gesprochen, bis ich ihn fragte, woher er denn komme und er freundlich auf unsere beiden Reisepässe der Bundesrepublik Deutschland verwies.

Ja, zwölf Monate sind eine sehr lange Zeit. Andererseits vergeht ein Jahr aber wie im Flug. Nur zwei Monate blieben mir mit meiner Lieblings-Gastfamilie. Zwei unvorstellbar schöne Monate, in denen ich zu einem der "Zu-Hause-sitz-Au-Pairs" mutierte, nachdem ich lange Zeit in meiner alten Gastfamilie jede freie Minute versuchte, herauszukommen, egal wohin.
Wir verbrachten lange Abende, am Tisch sitzend mit einem guten Abendbrot und einer Theresa, die sich den Bauch vor Lachen halten musste.

Vor zwei Wochen kam das neue Au-Pair. Auch wenn ich alles für sie vorbereitet hatte, um mich eigentlich selbst ein wenig zu präparieren, fiel es mir unsagbar schwer. Sie ist 27 Jahre alt, kommt aus der Tschechei und soll nun meinen Platz einnehmen. Auch wenn mich meine Familie etliche Male gebeten hatte, doch ein zweites Jahr zu bleiben, verspürte ich, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen. Die ersten Monate hatten mich viel Kraft gekostet. Alle außer meiner Freundin waren wieder zu Hause, ich hieß drei Au Pairs willkommen, führte sie in die Gegend ein, es fühlte sich nicht mehr an, wie mein Jahr, und es fühlt sich an, als müsste ich mich weiterbewegen.

Trotzdem spielte sich alles ein, auch wenn sie uns am ersten Abend erklärte: "Was denkt ihr denn? Wenn die wirtschaftliche Situation in der Tschechei besser wäre, wäre ich doch nicht als Au Pair gekommen." Meine Gastmutti mochte sie nicht wirklich. Im Grunde verstanden wir uns beide gut, nur ist es nicht einfach, "seine Familie" aufzugeben.

Meinen letzten Sonntag habe ich mit meiner Freundin in New York gefeiert, nach Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett ging es zum Musical "The Lion King" (Stehplätze für 20 US-Dollar). Schließlich stand ich über den Dächern der Stadt auf dem Empire State Building und versuchte, das Ende meiner Au-Pair-Karriere zu realisieren. Nebenbei dachte ich über den Ratschlag meines Vaters nach, bei Sicht eines Flugzeuges so schnell wie möglich den Abstieg zu erwägen.

Nun ist die schwere Zeit des Abschieds endlich vorüber, und die Zeit der Ankunft naht. All mein zusammengepuzzeltes Gepäck (zweimal Maximalgewicht) ist hoffentlich gut verstaut und die letzten Münzen ausgegeben. In sieben Stunden werde ich hoffentlich mit Gepäck in Tegel landen. Dann beginnt die spannende Zeit des von der Organisation so genannten "Re-Kulturschocks". Viele Au-Pairs bleiben nach ihrer Zeit noch mindestens einen Monat im Land um zu reisen. Ich komme lieber zurück um meiner Großmutti persönlich zum 80. Geburtstag zu gratulieren.

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Nach 367 Tagen in den USA zurück in Birkenwerder

Erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 01.12.2005

Nun sind schon wieder vier Wochen vergangen, seit ich mich wieder in den "Heiligen Hallen" meines eigenen zu Hauses befinde. Und ich kann nun sagen: Das ist so richtig schön!

Nachdem ich am 28. Oktober in Frankfurt/Main gelandet bin, ging es quer durch den Flughafen im Schweins- galopp, da mir meine Flugtickets ganz gnädig genau 31 Minuten zum Umsteigen ließen. Am betreffenden Gate angekommen, bekam ich ein fröhliches „Und sie buche ich dann auch gleich auf die nächste Maschine um!” zugeflötet. Dabei sollte ich mich aber nach Aussage der Stewardess glücklich schätzen, denn so dürfe ich sogar gleich mit meinem Gepäck in Berlin landen. Eine Stunde später als erwartet landete ich also in Tegel und nun fand die Aufregung kein Ende mehr, verwirrt suchte ich nach meinen zentnerschweren Gepäckstücken und bewegte mich glücklicherweise ohne Zollkontrolle nach draußen aufs deutsche Festland - nach zwölf Monaten theresianischer Abwesenheit! Ein atemberaubendes Gefühl, meine kleinen Brüder guckten zwar noch sehr ungläubig und skeptisch, alle anderen aber bekamen eine herzliche Umarmung und kaum ein Auge blieb trocken, so dass es von außen vielleicht eher wie eine Abschiedsszene aussah.

Endlich wieder zu Hause im altbekannten eigenen Wohnzimmer breitete sich ein kaum beschreibbares Wohlgefühl aus, jeder quatschte durcheinander, alles war so wie immer und eine Theresa fragte sich ganz im Stillen, ob es denn überhaupt jemals anders gewesen war.

Mein erster deutscher Tag verging so wie im Fluge, es wurde gegessen, Fotos gezeigt, mir sehr nahe stehende Menschen kamen zu Besuch und man genoss einfach, was wir ein Jahr nicht konnten: sich über Gott und die Welt zu unterhalten und sich dabei in die Augen schauen zu können. Abends am Kaminfeuer konnte ich die Müdigkeit dann einfach nicht mehr bekämpfen und nach einem 40-Stunden-Tag sank ich völlig erschöpft in mein Bett.

Nun bin ich nach wie vor froh, zu Hause zu sein und kann eigentlich keine Probleme bei der Wiedereingewöhnung erkennen. Fast habe ich darauf gewartet, wie ich es von „Leidensgenossen” beschrieben bekam, einen Tiefpunkt zu erleben und nicht mehr zu wissen, wo oben und unten ist - wo man nun wirklich sein mag. Aber meine Familie mit allem, was drumherum dazu gehört, ist einfach unheimlich begabt, mich so beschäftigt zu halten, dass ich nach wie vor fast denke, es sei nie etwas anders gewesen.

Natürlich vermisse ich meine Familie dort drüben und ganz schlimm auch die englische Sprache, aber die Freude wieder zu Hause zu sein, siegt über alles.

Fazit ist nun, dass ich mit 367 Tagen in den USA kein einziges Mal ernsthaft krank war und es mich jetzt gleich und nun schon seit vier Wochen mit einer ernsten Erkältung erwischt hat - die Ironie des Schicksals. „Dort drüben” habe ich also 2.400 Stunden amerikanische Kinder gehütet, gekocht, geputzt und zirka 296 Waschmaschinenladungen gewaschen, wobei eine etwa doppelt so groß ist wie eine deutsche Durchschnitts-Waschmaschinentrommel. Bewegt habe ich mich in einem Jahr mit 38 Flugstunden. Ich selbst bin circa 25.200 Kilometer Auto gefahren (insgesamt war ich in etwa acht Staaten), was die unheimlichen Distanzen in Amerika deutlich machten.
Da können sich die Amerikaner glücklich schätzen, dass der Benzinpreis in meinen zwölf Monaten zwar zwischen 45 Euro-Cent und 70 Euro-Cent geschwankt ist (und am Ende als mehr als teuer empfunden wurde), mit deutschen Preisen jedoch kaum vergleichbar ist.

Wenn ich zurück schaue muss ich sagen, dass jetzt schon alle negativen Erinnerungen verschwunden sind, ich glaube, dass mir dieses Jahr nicht nur sprachlich sehr viel gebracht hat.
Viel mehr habe ich mich selbst weiter kennen gelernt, meine Grenzen erfahren und vor allem hat sich mein eigener Horizont erweitert, die Welt scheint nicht mehr so unerreichbar. Ich habe nun Freunde in neun Nationen und viele werden mich besuchen -oder ich werde sie besuchen. Silvester werde ich in Dänemark feiern, mit deutschen und amerikanischen Freunden.

An dieser Stelle gäbe es jetzt natürlich viel Dank auszusprechen, aber ich beschränke mich darauf, meinen großen Dank an all die Leser auszusprechen, die meine Geschichte hier mehr oder weniger verfolgt haben. Ich sage Danke für ein außergewöhnliches Jahr und die genommene Anteilnahme.

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